AKTUELLE SICHERHEITSLAGE
Täuschung ist die älteste Angriffsmethode der Welt – aber sie bekommt
gerade ein neues Gesicht. Künstliche Intelligenz macht Betrugsversuche
so überzeugend, dass die alten Erkennungsmerkmale nicht mehr greifen.
Gleichzeitig funktionieren die Klassiker weiter, weil sie auf
menschliche Reaktionen zielen, nicht auf Technik. Dieser Überblick zeigt
die aktuell wichtigsten Maschen – zum Weitergeben an Kollegen, Familie
und Mitarbeitende.
Was sich gerade grundlegend
ändert
Noch vor wenigen Jahren war der beste Phishing-Schutz das eigene
Auge: holpriges Deutsch, Rechtschreibfehler, eine seltsame
Absenderadresse. Diese Zeit ist vorbei. KI erzeugt heute fehlerfreie,
perfekt formulierte Texte, ahmt Schreibstile nach und klont Stimmen aus
wenigen Sekunden Tonmaterial. Die Bank-Mail sieht nicht mehr nach Betrug
aus – sie ist von einer echten kaum noch zu unterscheiden.
Wie schnell sich die Lage verändert, zeigen aktuelle Zahlen aus der
Bedrohungsforschung: Der ESET Threat Report für das erste Halbjahr 2025
verzeichnet allein bei der Methode ClickFix/FakeCAPTCHA einen Anstieg
von über 500 Prozent gegenüber dem Vorhalbjahr – womit sie direkt hinter
klassischem Phishing auf Platz zwei der häufigsten Angriffswege
rangiert. Auch Infostealer und Ransomware nehmen laut mehreren
Sicherheitsberichten weiter zu. Diese Dynamik ist der Grund, warum eine
Übersicht der wichtigsten Methoden heute deutlich länger ausfällt als
noch vor Kurzem.
Das verschiebt den Schutz weg von „erkennt man ja” hin zu festen
Verhaltensregeln: über einen zweiten Kanal verifizieren, Codewörter
vereinbaren, bei Druck innehalten. Genau darum geht es in den folgenden
Punkten.
Die Top 15 der
aktuellen Täuschungsversuche
1. Stimmenklon per KI (Voice Cloning). Aus wenigen
Sekunden Audiomaterial – aus einem Social-Media-Video, einer
Sprachnachricht oder einem Anrufbeantworter – erzeugt KI eine täuschend
echte Kopie einer Stimme. Kriminelle rufen damit an und geben sich als
Geschäftsführer, Kollege oder Familienmitglied aus. Besonders perfide:
der KI-Schockanruf, bei dem die geklonte Stimme der Mutter oder des
Kindes eine Notlage vortäuscht. Hier hilft zuverlässig nur ein vorab
vereinbartes Familien-Codewort.
2. Deepfake-Videocall. Nicht nur Stimmen, auch
Gesichter lassen sich in Echtzeit fälschen. In einem dokumentierten Fall
überwies ein Mitarbeiter über 25 Millionen, nachdem er an einer
Videokonferenz teilgenommen hatte, in der alle vermeintlichen Kollegen –
inklusive Vorgesetztem – Deepfakes waren. Ein einfacher Test bei
verdächtigen Videocalls hilft aktuell noch: das Gegenüber bitten, kurz
eine Hand vors Gesicht zu halten – viele Fälschungssysteme kommen damit
nicht zurecht. Wichtig: Dieser Trick ist eine Momentaufnahme. Neuere
Modelle bestehen ihn bereits, deshalb ersetzt er keine grundsätzliche
Verifikation über einen zweiten Kanal.
3. KI-Spear-Phishing. Statt Massen-Mails mit Fehlern
kommen heute individuell zugeschnittene, fehlerfreie Nachrichten, die
sich auf reale Projekte, Kollegennamen oder aktuelle Vorgänge beziehen.
Die KI recherchiert das Opfer vorab und formuliert kontextgenau.
Klickraten liegen um ein Vielfaches über klassischem Phishing.
4. CEO-Betrug / Chef-Masche (Business Email
Compromise). Eine E-Mail „von der Geschäftsführung” bittet um
eine dringende, vertrauliche Überweisung. Neu ist die Kombination: Erst
kündigt eine Mail den Anruf an, dann kommt der Anruf mit geklonter
Stimme – für das Opfer gibt es scheinbar keinen Grund zu zweifeln.
Schutz: das Vier-Augen-Prinzip und ein Rückruf über die bekannte, selbst
herausgesuchte Nummer.
5. Gefälschtes CAPTCHA / ClickFix. Eine der aktuell
am schnellsten wachsenden Maschen. Eine Webseite zeigt ein scheinbar
harmloses CAPTCHA („Bestätigen Sie, dass Sie kein Roboter sind”) – aber
statt eines Häkchens folgt die Anweisung: „Drücken Sie Windows + R, dann
Strg + V, dann Enter, um die Prüfung abzuschließen.” Was das Opfer nicht
sieht: Beim Klick auf das CAPTCHA hat die Seite bereits heimlich einen
Schadbefehl in die Zwischenablage kopiert. Mit Windows + R öffnet sich
das Ausführen-Fenster, Strg + V fügt den unsichtbaren Befehl ein, Enter
startet ihn – und Schadsoftware läuft mit den vollen Rechten des
Nutzers, ohne dass eine einzige Datei heruntergeladen wurde. Klassische
Virenschutz-Warnungen greifen dabei oft nicht.
Die eine Merkregel, die praktisch jede Variante entlarvt: Ein
echtes CAPTCHA fordert Sie niemals auf, Ihr Browserfenster zu verlassen,
das Ausführen-Fenster zu öffnen oder einen Befehl einzufügen.
Wer so etwas liest, schließt sofort die Seite. Im Unternehmen lässt sich
zusätzlich das Ausführen-Fenster (Windows + R) per Gruppenrichtlinie
deaktivieren.
6. Quishing (QR-Code-Phishing). Gefälschte QR-Codes
– auf Aufklebern über echten Codes (etwa an Parkautomaten oder
Ladesäulen), in E-Mails oder auf Briefen – führen auf Phishing-Seiten.
Weil der Ziel-Link im QR-Code versteckt ist, greifen viele
Warnmechanismen nicht. Grundregel: QR-Codes aus unerwarteten Quellen
nicht scannen, Ziel-URL vor dem Öffnen prüfen.
7. MFA-Umgehung durch Echtzeit-Täuschung. Angreifer
bringen Opfer im Gespräch oder über gefälschte Login-Seiten dazu, den
Einmalcode der Zwei-Faktor-Authentifizierung direkt weiterzugeben oder
eine Push-Bestätigung zu drücken. Merksatz: Ein Einmalcode, ein zweiter
Faktor oder ein Bestätigungscode wird niemals telefonisch abgefragt –
keine echte Bank, kein echter Support tut das. Noch sicherer als
klassische 2FA sind Passkeys, weil es dabei keinen Code gibt, den man
versehentlich weitergeben könnte (mehr dazu unten).
8. Evil-Twin-WLAN. Ein gefälschter WLAN-Zugangspunkt
trägt denselben Namen wie ein vertrautes Netz (Firma, Café, Hotel).
Verbindet sich das Gerät automatisch, läuft der Datenverkehr über die
Angreifer. Schutz: automatische WLAN-Verbindung deaktivieren, in
öffentlichen Netzen ein VPN nutzen, im Zweifel den Netznamen beim
Betreiber prüfen.
9. Fake-Support-Anruf / Tech-Support-Scam. Ein
angeblicher Microsoft-, Bank- oder IT-Support meldet ein
„Sicherheitsproblem” und will Fernzugriff auf den Rechner oder die
Herausgabe von Zugangsdaten. Kein seriöser Anbieter ruft unaufgefordert
an, um Fernzugriff zu verlangen.
10. Kompromittierte Lieferanten- und
Rechnungs-Mails. Angreifer übernehmen ein echtes E-Mail-Konto
eines Geschäftspartners und schleusen sich in laufende Konversationen
ein – mit geänderter Bankverbindung auf einer sonst korrekten Rechnung.
Weil die Mail aus einem echten Postfach kommt, fehlen alle üblichen
Warnzeichen. Schutz: geänderte Bankverbindungen immer telefonisch
gegenprüfen.
11. Manipulierte KI-Assistenten und versteckte
Anweisungen. Eine neuere, noch wenig bekannte Masche: In
Dokumente, Webseiten oder E-Mails werden für Menschen unsichtbare
Anweisungen eingebettet, die KI-Assistenten dazu bringen, Daten
preiszugeben oder falsche Aktionen auszuführen. Mit zunehmendem Einsatz
von KI-Assistenten im Büro wird dieser Angriffsweg wichtiger.
12. Infostealer. Schadsoftware, die gezielt
gespeicherte Passwörter, Sitzungs-Cookies, Tastatureingaben und
Screenshots abgreift. Laut ESET-Telemetrie hat SnakeStealer im ersten
Halbjahr 2025 die bisher führende Schadsoftware abgelöst und macht
inzwischen rund ein Fünftel aller erfassten Infostealer aus. Besonders
kritisch: Über gestohlene Sitzungs-Cookies lässt sich teils sogar die
Zwei-Faktor-Authentifizierung umgehen, weil eine bereits angemeldete
Sitzung übernommen wird. Infostealer gelangen häufig über die zuvor
genannten Wege (ClickFix, Phishing, manipulierte Downloads) auf ein
System. Ein aktueller, verhaltensbasierter Client-Schutz – etwa auf
Basis von ESET – erkennt solche Schadsoftware oft, bevor sie Daten
abgreifen kann.
13. Ransomware als Dienstleistung
(Ransomware-as-a-Service). Verschlüsselungs-Angriffe sind kein
Nischenphänomen mehr: Über Baukasten-Angebote im Untergrund können auch
technisch weniger versierte Täter groß angelegte Angriffe starten. Die
Zahl der Ransomware-Vorfälle ist laut Auswertungen im Jahresvergleich um
rund die Hälfte gestiegen, und kleinere Unternehmen sind
überdurchschnittlich betroffen. Oft geht ein Infostealer-Befall voraus –
gestohlene Zugangsdaten werden zum Einfallstor für die spätere
Verschlüsselung.
14. Mobile Schadsoftware und manipulierte Apps.
Angriffe verlagern sich zunehmend auf Smartphones. ESET verzeichnete bei
Android-Adware im ersten Halbjahr 2025 einen deutlichen Anstieg, und
manipulierte Apps aus inoffiziellen Quellen verbreiten Banking-Trojaner
und Spionagesoftware. Schutz: Apps nur aus offiziellen Stores
installieren, Berechtigungen kritisch prüfen, mobile Geräte in die
Sicherheitsstrategie einbeziehen.
15. NFC- und kontaktlose Angriffe. Eine wachsende
Kategorie zielt auf kontaktlose Bezahl- und Kartenfunktionen. Über
manipulierte Apps oder in der Nähe platzierte Lesegeräte versuchen
Angreifer, kontaktlose Transaktionen oder Kartendaten abzugreifen.
Schutz: NFC deaktivieren, wenn es nicht gebraucht wird, und auf
ungewöhnliche Aufforderungen achten, das Smartphone an ein Gerät zu
halten.
Angriffe
schlagen nicht sofort zu – sie bauen aufeinander auf
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass ein Angriff aus einem einzigen
Moment besteht – der einen Mail, dem einen Anruf. In der Praxis sind die
gefährlichsten Angriffe mehrstufig und geduldig. Zuerst werden über
Wochen Informationen gesammelt, dann kombiniert, und erst am Ende
erfolgt der eigentliche Zugriff – zu einem Zeitpunkt, an dem das Opfer
längst Vertrauen gefasst hat.
Datensammlung im großen Stil. Das Beunruhigende an
der aktuellen Entwicklung: Daten werden nicht mehr gezielt über einzelne
Personen gesammelt, sondern in großem Stil und automatisiert über
praktisch jeden. Sobald genug Informationen über eine Person
zusammengetragen sind, können Angriffe vollautomatisch ausgelöst werden
– unabhängig davon, ob jemand eine bekannte Führungskraft oder eine
Privatperson ist, ob ein großes Unternehmen oder ein
Ein-Personen-Betrieb. Die Vorstellung „für mich lohnt sich der Aufwand
nicht” stimmt nicht mehr, weil kein manueller Aufwand mehr nötig ist.
Die Skalierung übernimmt die Maschine.
Wie aus Bruchstücken ein Identitäts-Klon wird.
Angreifer setzen aus vielen kleinen, für sich harmlosen Datenpunkten ein
überzeugendes Gesamtbild zusammen: ein Name aus einem
Social-Media-Profil, der Arbeitgeber aus einem beruflichen Netzwerk,
Urlaubsfotos, die verraten, wann jemand nicht zu Hause ist, ein
Vereinsname, die Namen von Familienmitgliedern, ein Wohnort aus einem
Kommentar. Einzeln ist nichts davon geheim. Zusammengeführt ergibt sich
ein Profil, mit dem sich Vertrauen erschleichen lässt. Das
Erschreckende: Es sind erstaunlich wenige Daten nötig, um damit
glaubwürdig aufzutreten.
Ein Beispiel aus der Praxis. In einem uns bekannten
Fall wurden Kinder in einem Ort zum Schulbeginn angesprochen, ob sie
nicht mitfahren wollen. Das Perfide daran: Die Angreifer kannten Namen
aus dem Ort und bauten damit gezielt Vertrauen auf – „Du bist doch ein
Freund von dem und dem, ich bin der Opa von dem, deine Eltern heißen
doch so und so, ich kann dich mitnehmen.” Die genannten Details
stimmten, weil sie sich aus öffentlich verfügbaren oder leicht zu
beschaffenden Informationen zusammensetzen ließen. Genau diese scheinbar
belanglosen Details – Namen, Beziehungen, Zugehörigkeiten – machen eine
Täuschung glaubwürdig.
Dieses Beispiel zeigt ein Muster, das sich durch viele moderne
Angriffe zieht: Sie zielen bewusst auf das schwächste Glied der Kette.
Und oft sind das die Kinder – weil sie am wenigsten Erfahrung mit
Täuschung haben, am leichtesten Vertrauen schenken und am seltensten
hinterfragen. Ein Angriff über das Kind kann zudem ein Einfallstor zur
ganzen Familie sein. Deshalb gehört der Schutz der Kinder nicht als
Randthema behandelt, sondern als zentraler Bestandteil.
Warum KI das verschärft. Was früher mühsame
Handarbeit war – Daten sammeln, verknüpfen, ein Profil bauen –
automatisiert KI heute in Minuten. Sie durchsucht öffentliche Quellen,
kombiniert sie mit Datenbanken und erzeugt daraus verwertbares
Angriffsmaterial. Je mehr wir öffentlich teilen, desto reichhaltiger die
Grundlage.
Was das für unser eigenes Verhalten bedeutet. Der
wirksamste Schutz beginnt vor dem Angriff – bei der Frage, was wir
überhaupt öffentlich preisgeben:
- Bewusst entscheiden, welche persönlichen Details in sozialen
Netzwerken sichtbar sind – besonders Informationen über Kinder,
Familienbeziehungen, Abwesenheiten und Tagesabläufe - Die eigene Datenspur prüfen: Was ist über mich im
Netz auffindbar? Eine Suche nach dem eigenen Namen, Adressen und alten
Profilen zeigt oft mehr, als man denkt. Wo zu viele Informationen
gespeichert sind, lässt sich Löschung verlangen – bei Datenhändlern, in
alten Accounts, in Verzeichnissen. Je weniger verwertbares Material
vorliegt, desto schwerer wird ein glaubwürdiger Angriff. - Kindern altersgerecht erklären, dass auch ein netter Fremder, der
„Details kennt”, ein Fremder bleibt – und ein Familien-Codewort
vereinbaren - Im Unternehmen darauf achten, welche Informationen über
Mitarbeitende, Strukturen und Zuständigkeiten öffentlich auffindbar
sind, weil genau diese für gezielte Angriffe (etwa CEO-Betrug) genutzt
werden - Sich bewusst machen: Jede öffentlich geteilte Information kann
Baustein eines späteren Angriffs sein – nicht aus Angst, aber mit
Bedacht
Das heißt nicht, gar nichts mehr zu teilen. Es heißt, mit dem
Bewusstsein zu teilen, dass aus scheinbar harmlosen Bruchstücken
verwertbares Material werden kann.
Die Erkennungstricks von heute sind nicht die Lösung von
morgen. Aktuell helfen bei verdächtigen Videocalls noch
einfache Tests – etwa das Gegenüber zu bitten, eine Hand vors Gesicht zu
halten, weil viele Deepfake-Modelle damit Schwierigkeiten haben. Aber
das ist eine Momentaufnahme, keine dauerhafte Lösung. Es gibt bereits
Modelle, die sich genau auf solche Tests vorbereiten und sie fehlerfrei
bestehen. Wer sich allein auf einen einzelnen Trick verlässt, wiegt sich
in falscher Sicherheit. Die Technik entwickelt sich rasant weiter –
deshalb ist die wichtigste Maßnahme, sich regelmäßig zu informieren und
die eigenen Schutzmaßnahmen laufend anzupassen, statt sie einmal
festzulegen und für erledigt zu halten. Was heute schützt, kann in
wenigen Monaten überholt sein.
Die
Klassiker – funktionieren weiter, weil sie auf den Menschen zielen
Die neuen Methoden ersetzen die alten nicht, sie ergänzen sie. Diese
bewährten Maschen funktionieren weiterhin – oft gerade, weil man sie für
„zu offensichtlich” hält:
- Der Enkeltrick. Ein angeblicher Verwandter in Not
braucht dringend Geld. Früher am Telefon mit erfundener Geschichte,
heute zusätzlich mit geklonter Stimme (siehe Punkt 1). - Der Schockanruf. Ein vorgeblicher Polizist, Arzt
oder Angehöriger meldet einen Unfall oder eine Festnahme und fordert
sofortiges Handeln. Der erzeugte Schock schaltet das kritische Denken
aus. - Die „Zuviel überwiesen”-Masche. Es sei
versehentlich zu viel Geld überwiesen worden, ob man den Differenzbetrag
bitte auf ein anderes Konto zurücküberweise. Die ursprüngliche
„Überweisung” war gefälscht oder wird zurückgebucht – das
zurücküberwiesene Geld ist echt und weg. - Der falsche Handwerker oder Techniker. Mit
Warnweste, Klemmbrett und selbstsicherem Auftreten gelangen Fremde
erstaunlich leicht in Bürogebäude – niemand hält den vermeintlichen
Techniker auf. Einmal drinnen, sind Serverräume, unverschlossene Rechner
und Unterlagen zugänglich (Tailgating). - Der USB-Stick-Fund. Ein „zufällig” auf dem
Parkplatz liegender USB-Stick, den ein neugieriger Finder einsteckt –
und damit Schadsoftware ins Netzwerk holt. - Das Phishing per Post und SMS. Gefälschte Briefe
und SMS (etwa angebliche Paketbenachrichtigungen oder Bankschreiben)
sind nach wie vor verbreitet und werden durch KI-generierte, fehlerfreie
Texte überzeugender.
Die wichtigsten
Schutzregeln – kurz und für alle
- Codewort vereinbaren. In der Familie und für
kritische Vorgänge im Unternehmen. Ein Anrufer, der das Codewort nicht
kennt, ist nicht der, für den er sich ausgibt. - Über einen zweiten Kanal verifizieren. Bei jeder
unerwarteten Zahlungs- oder Datenaufforderung: auflegen und über die
selbst herausgesuchte, bekannte Nummer zurückrufen. - Nie unter Druck handeln. Künstliche Dringlichkeit
ist selbst schon das Warnsignal. Lieber einmal zu viel prüfen als
vorschnell handeln. - Niemals einen Befehl einfügen, den eine Webseite
verlangt. Kein echtes CAPTCHA und keine echte „Verifizierung”
fordert Sie auf, Windows + R zu drücken oder etwas mit Strg + V
einzufügen. Wer das liest: Seite sofort schließen. - Einmalcodes, Zwei-Faktor-Codes und Passwörter niemals
weitergeben – weder telefonisch noch per Chat. Kein seriöser
Anbieter fragt sie ab. - Passkeys statt Passwörter nutzen, wo möglich. Ein
Passkey lässt sich nicht abphishen und nicht versehentlich weitergeben,
weil es keinen Code und kein Passwort gibt, das man eintippen könnte.
Das macht viele der oben genannten Angriffe wirkungslos. Mehr dazu: Passkey statt Passwörter: Warum sich
der Wechsel jetzt lohnt. - Die eigene Datenspur prüfen. Regelmäßig nachsehen,
was über einen im Netz auffindbar ist, und zu viele Informationen
löschen lassen. - Auf das Bauchgefühl hören. Wenn etwas „nicht
stimmt”, stimmt es meist auch nicht. - Regelmäßig informiert bleiben. Die Methoden
entwickeln sich rasant – was heute schützt, kann morgen überholt
sein.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie erkenne ich heute noch eine Phishing-Mail, wenn es keine
Rechtschreibfehler mehr gibt? An den alten Merkmalen kaum noch.
Verlässlicher ist die Frage nach dem Inhalt: Werde ich zu einer
unerwarteten Zahlung, Anmeldung oder Datenpreisgabe gedrängt? Dann über
einen zweiten, bekannten Kanal verifizieren, statt auf Links in der Mail
zu klicken.
Was ist das wirksamste einzelne Schutzmittel gegen
Stimmenklon-Betrug? Ein vorab vereinbartes Codewort. Es
funktioniert unabhängig davon, wie perfekt die Stimme gefälscht ist,
weil der Angreifer den Inhalt nicht kennen kann.
Sind kleine Unternehmen und Privatpersonen überhaupt
betroffen? Ja. Da die KI-Werkzeuge kostenlos und ohne
Fachwissen nutzbar sind, lohnen sich Angriffe auch bei kleineren Zielen.
Automatisierte Kampagnen unterscheiden nicht nach Größe.
Wie sensibilisiere ich mein Team am besten? Durch
regelmäßige, praxisnahe Beispiele statt einmaliger Schulungen – und
durch eine Kultur, in der Nachfragen und das Melden verdächtiger
Vorfälle erwünscht sind. Mehr dazu unter Security
Awareness.
Wie viele Daten braucht ein Angreifer wirklich, um
glaubwürdig aufzutreten? Erstaunlich wenige. Oft reichen ein
Name, eine Beziehung (wer kennt wen) und ein Ortsbezug, um Vertrauen
aufzubauen. Genau deshalb ist Zurückhaltung bei öffentlich geteilten
Informationen ein so wirksamer, oft unterschätzter Schutz.
Wie schütze ich meine Kinder vor solchen
Vertrauensmaschen? Kindern altersgerecht erklären, dass ein
Fremder ein Fremder bleibt – auch wenn er Namen von Freunden oder
Familie kennt. Ein vereinbartes Familien-Codewort gibt Kindern eine
klare Regel an die Hand: Wer das Codewort nicht nennen kann, ist nicht
vertrauenswürdig, egal was er sonst weiß.
Wie finde ich heraus, was über mich im Netz gespeichert
ist? Beginnen Sie mit einer Suche nach dem eigenen Namen,
ergänzt um Wohnort, Arbeitgeber oder Telefonnummer. Prüfen Sie alte,
ungenutzte Accounts und Einträge in Online-Verzeichnissen oder bei
Datenhändlern. Wo zu viele Informationen vorliegen, können Sie deren
Löschung verlangen – das reduziert das Material, das für Angriffe
verwertbar ist. Diese Prüfung sollte man wiederholen, nicht nur einmal
durchführen.
Reicht es, sich einmal zu schützen? Nein. Die
Technik entwickelt sich rasant – Erkennungsmerkmale und Schutzmethoden,
die heute funktionieren, können in wenigen Monaten überholt sein.
Wirksamer Schutz bedeutet, sich regelmäßig zu informieren und die
eigenen Maßnahmen fortlaufend anzupassen.
Was ist ClickFix und woran erkenne ich es sofort?
ClickFix ist eine Masche, bei der eine Webseite (oft als gefälschtes
CAPTCHA getarnt) Sie auffordert, Windows + R zu drücken, etwas mit Strg
+ V einzufügen und Enter zu drücken. Dabei wird heimlich ein Schadbefehl
aus der Zwischenablage ausgeführt. Die eindeutige Erkennung: Kein echtes
CAPTCHA verlangt jemals, dass Sie Tastenkombinationen drücken oder etwas
einfügen. Sobald eine „Verifizierung” das fordert, ist es ein Angriff –
Seite schließen.
Fazit
Die Angriffe werden perfekter und bekommen neue Gesichter – aber ihr
Kern bleibt gleich: Sie zielen auf menschliche Reaktionen, nicht auf
technische Lücken. Wer die aktuellen Maschen kennt, ein Codewort
vereinbart, über einen zweiten Kanal verifiziert und unter Druck
innehält, entzieht selbst den überzeugendsten KI-Fälschungen die
Grundlage. Geben Sie diese Übersicht gern weiter – Sensibilisierung ist
der beste Schutz.
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Awareness und technischem Schutz gegen aktuelle Angriffsmethoden.
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Erstgespräch.