PROJEKT- & PRAXISBERICHT
Manchmal ist der wirtschaftlichste Weg nicht, eine bestehende IT zu
optimieren, sondern sie grundlegend neu zu denken. Dieser anonymisierte
Praxisbericht beschreibt ein Projekt, in dem wir die gesamte IT eines
Unternehmens รผbernommen, radikal konsolidiert und auf ein modernes,
sicheres Fundament gestellt haben โ von einer รผber Jahre gewachsenen
200-Server-Landschaft zu einer homogenen Umgebung mit zwei verbliebenen
Servern.
Kurzantwort
Ein Unternehmen wollte seine IT auf Wunsch des Vorstands vollstรคndig
auslagern. Wir haben die lokale Domรคnen- und Serverstruktur komplett
รผbernommen, die Umgebung nach Microsoft 365 und Azure รผberfรผhrt, von
rund 200 auf zwei notwendige Server reduziert, den Rest als SaaS-Dienste
bereitgestellt und alles รผber Entra ID mit Single Sign-On abgesichert.
Ergรคnzt wurde das durch Patch-Management, ESET-MDR mit SOC-Anbindung und
ein ISMS โ sowie durch die รbernahme eines Teils der bestehenden
IT-Mitarbeiter.
Die
Ausgangslage: gewachsen, teuer, unรผbersichtlich
Die IT-Umgebung war รผber viele Jahre organisch gewachsen. Das
Ergebnis war ein in der Praxis hรคufiges Muster: rund 200 Server, von
denen jeder Administrator im Laufe der Zeit โseineโ Werkzeuge und
Speziallรถsungen hinzugefรผgt hatte. Was einzeln jeweils sinnvoll
erschien, ergab in Summe eine heterogene, schwer zu wartende Landschaft
mit hohen Betriebskosten, unklaren Abhรคngigkeiten und einer
Sicherheitslage, die niemand mehr vollstรคndig รผberblickte.
Der Vorstand traf eine klare Entscheidung: Die IT sollte nicht intern
weitergefรผhrt, sondern vollstรคndig ausgelagert werden โ mit dem Ziel,
Kosten zu senken, die Komplexitรคt zu reduzieren und ein professionelles,
durchgรคngiges Sicherheitsniveau zu erreichen.
Der Ansatz:
nicht optimieren, sondern neu ordnen
Der entscheidende Schritt war die Erkenntnis, dass eine reine
Kostenoptimierung der bestehenden Struktur zu kurz gegriffen hรคtte.
Statt 200 Server gรผnstiger zu betreiben, haben wir gefragt: Welche
dieser Systeme werden wirklich noch als eigener Server gebraucht โ und
was lรคsst sich durch moderne, standardisierte Dienste ersetzen?
Das Vorgehen im รberblick:
- Bestandsaufnahme und Bereinigung. Jede Anwendung
und jeder Server wurde daraufhin geprรผft, ob er noch benรถtigt wird,
durch einen Standarddienst ersetzbar ist oder ersatzlos entfallen
kann. - Migration in die Cloud. Die Umgebung wurde nach
Microsoft 365 und Azure รผberfรผhrt. Nur die tatsรคchlich notwendigen
Serverfunktionen wurden als virtuelle Maschinen รผbernommen. - Konsolidierung auf zwei Server. Aus rund 200
Servern wurde eine homogene Umgebung, die mit zwei verbliebenen Servern
auskommt. Alle weiteren Funktionen laufen als SaaS-Dienste. - Zentrale Identitรคt mit Entra ID. รber Identitรคts-
und Zugriffsmanagement (IAM) auf Basis von Entra ID wurden nahezu alle
neuen Dienste per Single Sign-On angebunden โ ein zentraler Hebel fรผr
Sicherheit und Bedienbarkeit zugleich.
Warum
SSO und zentrale Identitรคt den Unterschied machen
Die Anbindung fast aller Dienste รผber Single Sign-On war nicht nur
eine Komfortfunktion. Sie ist ein wesentlicher Sicherheitsgewinn:
Zugรคnge werden zentral verwaltet, Berechtigungen sind an einer Stelle
nachvollziehbar, das Onboarding und โ mindestens ebenso wichtig โ das
saubere Offboarding von Mitarbeitenden erfolgt kontrolliert. Statt
verstreuter Einzelkonten in unzรคhligen Systemen gibt es eine zentrale,
รผberprรผfbare Identitรคt. Genau diese Nachvollziehbarkeit ist auch fรผr
Compliance-Anforderungen ein entscheidender Baustein.
Die Sicherheitsarchitektur
Auf dem konsolidierten Fundament wurde ein durchgรคngiges
Sicherheitskonzept aufgebaut:
- Patch-Management auf allen Clients, damit
Sicherheitsupdates zuverlรคssig und zeitnah eingespielt werden - ESET-MDR (Managed Detection and Response) in der
Elite-Ausfรผhrung mit SOC-Anbindung, sodass Bedrohungen
kontinuierlich erkannt und bearbeitet werden โ auch auรerhalb der
Bรผrozeiten - Ein ISMS
(Informationssicherheits-Managementsystem), das die technischen
Maรnahmen organisatorisch einrahmt und die Sicherheit strukturiert
steuerbar macht - Bereitstellung eines externen ISB
(Informationssicherheitsbeauftragten) im Hinblick auf die
TISAX-Anforderungen des Unternehmens
Erst dieses Zusammenspiel aus zentraler Identitรคt, kontinuierlichem
Schutz, geregeltem Patch-Management und organisatorischem Rahmen ergibt
ein Sicherheitsniveau, das eine gewachsene Einzeltool-Landschaft nie
erreichen konnte.
Die menschliche
Seite: Mitarbeiterรผbernahme
Eine vollstรคndige Auslagerung betrifft immer auch die Menschen, die
die IT bisher betreut haben. Weil der Vorstand die IT komplett abgeben
wollte, haben wir den bestehenden IT-Mitarbeitenden ein รbernahmeangebot
gemacht und einen Teil von ihnen รผbernommen. Das sichert nicht nur
wertvolles Wissen รผber die gewachsene Umgebung, sondern nimmt einem
solchen Wechsel auch die soziale Hรคrte. Auslagerung muss nicht bedeuten,
dass Menschen auf der Strecke bleiben.
Das Ergebnis
Am Ende stand eine Umgebung, die in fast jeder Hinsicht besser
dasteht als die Ausgangslage: deutlich niedrigere Betriebskosten durch
den Wegfall von rund 198 Servern und den Umstieg auf SaaS, eine homogene
und wartbare Struktur statt einer Sammlung von Einzellรถsungen, ein
durchgรคngig hohes Sicherheitsniveau รผber zentrale Identitรคt, MDR/SOC und
ISMS โ und die Erfรผllung des Vorstandswunsches, die IT vollstรคndig in
professionelle externe Hรคnde zu geben.
Nicht jedes
Projekt ist eine Komplettauslagerung
Dieses Projekt war eine vollstรคndige รbernahme, weil das der
ausdrรผckliche Wunsch war. Das ist aber nicht der einzige Weg. Bei
anderen Kunden arbeiten wir eng mit der internen IT zusammen, wenn nicht
alle Dienste ausgelagert werden sollen. Ob vollstรคndige รbernahme oder
partnerschaftliche Ergรคnzung des internen Teams โ der richtige Zuschnitt
hรคngt vom jeweiligen Unternehmen ab.
Hรคufige Fragen (FAQ)
Bedeutet eine Komplettauslagerung immer den Verlust der
eigenen IT-Mitarbeiter? Nein. In diesem Projekt haben wir einen
Teil der bestehenden Mitarbeitenden รผbernommen. Das erhรคlt wertvolles
Wissen und macht den รbergang fรผr alle Beteiligten fairer.
Warum รผberhaupt von 200 auf 2 Server โ geht dabei nichts
verloren? Der Groรteil der Server war รผber die Jahre
entstanden, ohne dass jede Funktion noch als eigener Server nรถtig
gewesen wรคre. Vieles lieร sich durch standardisierte SaaS-Dienste
ersetzen. รbernommen wurde nur, was wirklich als eigener Server
gebraucht wird.
Ist eine ausgelagerte, cloud-basierte Umgebung sicherer als
die vorherige lokale? In diesem Fall deutlich. Zentrale
Identitรคt mit SSO, durchgรคngiges Patch-Management, MDR mit SOC und ein
ISMS ergeben ein Schutzniveau, das eine heterogene Einzeltool-Landschaft
nicht erreichen konnte. Sicherheit entsteht dabei aus dem Zusammenspiel
der Bausteine, nicht aus einer einzelnen Maรnahme.
Muss ich meine IT komplett auslagern, oder geht auch
teilweise? Beides ist mรถglich. Wo nicht alle Dienste
ausgelagert werden sollen, arbeiten wir mit der internen IT zusammen und
ergรคnzen sie gezielt.
Fazit
Der grรถรte Hebel lag in diesem Projekt nicht im Sparen an einzelnen
Servern, sondern im Mut, eine gewachsene Struktur grundlegend neu zu
ordnen. Aus einer teuren, unรผbersichtlichen 200-Server-Umgebung wurde
eine homogene, sichere und wirtschaftliche Landschaft mit zwei Servern,
moderner Cloud-Basis und einem durchgรคngigen Sicherheitskonzept โ ohne
die Menschen dabei zurรผckzulassen.
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